Kleintierpraxis Dr. Peter Szabados

Die Hüftgelenksdysplasie als Zuchtproblem beschäftigt sowohl die Rassezuchtvereine als auch die Tierärzte seit Mitte der 50er Jahre in zunehmenden Maße.

Die Röntgendiagnose, auf der die Zuchtmaßnahmen aufbaut, muß mit großer Sorgfalt und Verantwortungsbewußtsein gestellt werden. Das setzt genaue Fachkenntnisse und geeignete apparative Ausstattung bei der Ausfertigung der HD-Röntgenaufnahmen voraus.Was ist nun die sogenannte „HD“?Die Hüftgelenksdysplasie ist eine erblich bedingte Fehlbildung des Hüftgelenks, bei der ein- oder beidseitig der Oberschenkelkopf und Hüftgelenkspfanne nicht aufeinander abgestimmt sind. Bei Hunden mit der Erbanlage zur HD sind im Welpenalter meist keine sichtbaren Anzeichen einer Erkrankung erkennbar. Erst mit ca. 6 Monaten läßt sich auf Grund erster Gehbeschwerden HD befürchten, dies ist auch der früheste Zeitpunkt, um das sog. „Vorröntgen“ durchzuführen. Erst ab dem vollendeten 12. Lebensmonat kann man eindeutig mittels Röntgenbild die Hüftsituation abklären.

Warum ist diese oft leidige HD-Untersuchung so notwendig?Wenn man den Verlauf einer Hüftdysplasie in den Jahren verfolgt, wird uns klar, welche Probleme überhaupt auftreten können:
Eine dysplastische, flache Pfanne bietet dem Oberschenkelkopf nur einen ungenügenden Halt. Durch die Bewegungen „eiert“ dieser -wie in einem nicht abgestimmten Kugellager – in der Pfanne, wobei es zu unregelmäßigen Belastungen des Gelenkknorpels kommt. In weiterer Folge werden degenerative Prozesse eingeleitet, dabei können neben völligem Schwund des Knorpels sogar Knochenwucherungen und Arthrosen in den betroffenen Gelenken entstehen. Dasselbe ist der Fall, wenn die Gelenkspfanne zwar korrekt ausgebildet ist, der Kopf des Oberschenkels jedoch nicht rund oder gar zu klein ist.Übermäßige Bewegung, Überanstrengungen, zu weite Wanderungen oder intensives Training fördern so bei einem dysplastischen Gelenk die degenerativen Prozesse. Anhand der durchgeführten HD-Untersuchung läßt sich eine klare Leistungsgrenze des Hüftgelenkes und damit verbunden die Lebensdauer erkennen.Um eine objektive Beurteilung der beiden Hüftgelenke durchführen zu können, müssen lt. FCI-Komission die folgenden wichtigsten Punkte beachtet werden:Der Hund wird unter ausreichender Sedierung und Muskelerschlaffung in Rückenlage auf die Röntgenkasette gelagert. Die Hinterextremitäten müssen bis zu den Kniegelenken auf der Kasette planparallel liegen und genügend eingedreht werden, das Becken darf nicht verkippt auf dem Röntgenbild erscheinen. Neben dem Einblenden sämtlicher Daten vom Hund auf das noch nicht entwickelte Bild muß auch die technische Qualität ausreichend für die objektive Beurteilung sein.Ich möchte besonders hier nochmals auf den von mir verfaßten „Leitfaden zur Anfertigung von HD-Röntgenbilder“ hinweisen, den jeder Tierbesitzer bei seinem Tierarzt im Falle einer HD-Untersuchung vorweisen soll.Kurz zusammengefaßt möchte ich noch das Beurteilungsschema anführen, da viele Tierbesitzer immer noch glauben, daß das HD-Ergebnis nur von der Gradeinteilung abhängt:

1. Keine HD(„Normal“, „Kein Hinweis für HD“, „HD-frei“,A Gelenkspalt zw. Oberschenkelkopf und Gelenkspfanne ist eng und konzentrisch (kongruent), keine Auflagerungen am Pfannenrand, Oberschenkelkopf und -hals, usw.Winkelmessung nach Norberg: beidseitig 105° oder mehr.

2. Übergangsform(„Fast normal“, „Verdächtig für HD“, “ Minimalform“,B Unregelmäßigkeit an Kopf und Pfanne, Gelenkspalt geringgradig divergierend, Winkelmessung: zw. 100° und 105°

3. Leichte HD CDer Gelenkspalt ist divergierend, die Pfanne ist etw. abgeflacht, geringradige arthrotische Veränderungen, wie angedeutete Randwülste, Unschärfe Morgan-Linie
usw.Winkelmessung: zw. 95° und 100°

4. Mittlere HD D Der Gelenkspalt ist deutlich divergierend, Gelenkspfanne ist flach mit beginnenden arthrotischen Veränderungen, Oberschenkelkopf nicht rund, beg. Auflagerungen am Oberschenkelhals.Winkelmessung: zw. 90° und 95°

5. Schwere HD EDeutliche Veränderungen am gesamten Gelenk, Oberschenkelkopf meist aus der Pfanne herausstehend, deutl. Auflagerungen überall sichtbar, Oberschenkelkopf meist pilzförmig oder deformiert, häufig keine Winkelmessung mehr möglich. Winkelmessung: unter 90°

HD-Röntgenbild – richtig gemacht

In letzter Zeit häufen sich wieder die Probleme bezüglich der HD-Röntgenaufnahme.
Jeder Tierbesitzer sollte unbedingt den „LEITFADEN FÜR DIE HD-RÖNTGEN-AUFNAHME“ durchlesen und diesen auch zum Tierarzt mitnehmen. Darin enthalten sind die wichtigen Punkte zur richtigen Anfertigung eines HD-Röntgenbildes.

Diesen Leitfaden sollte der Tierarzt vorher ansehen und unterschreiben, nur so haben sie die Garantie, dass ordentliche, den internationalen Normen entsprechende Röntgenbilder angefertigt werden können.

Leider kommen technisch minderwertige – daher nicht beurteilbare – Bilder, nachträglich mit Kugelschreiber oder gar Bleistift (abradierbar !) beschriftete Bilder zur Auswertung, die leider, aufgrund des Fehlers des Tierarztes, retourniert werden müssen.

Ersparen Sie sich und Ihrem Vierbeiner die erneute Wiederholung (Narkose, Stress, Zeitaufwand, unnötigen Ärger und vermeidbare Kosten…..), indem Sie, lieber Tierbesitzer, diesen LEITFADEN bei der HD-Röntgenaufnahme vorweisen und ihn auch vom Tierarzt unterfertigen lassen. Diesen Leitfaden erhalten Sie auf Anfrage bei den jeweiligen Hundevereinen oder Sie rufen mich einfach an:
Tel. 0512/392159; 0664-3416100 täglich von 9-11 oder 17-19 Uhr (außer Wochenende).

Dr. Szabados Peter, Auswertungsstelle für HD Untersuchungen in Österreich.

Leitfaden zur Anfertigung von HD-Röntgenbildern

Entsprechend den Vorstellungen der FCI ist jede Röntgenuntersuchung der Hüftgelenke mit dem Ziel der Dysplasiebeurteilung unter ausreichend tiefer Sedierung verbunden.
Geeignet sind alle Narkosemethoden, die eine ausreichend gute Muskelrelaxation herbeiführen, sodass der Hund ohne Schmerzen und Verspannung auf den Rücken gelegt werden kann. Dabei werden die Vorderextremitäten parallel nach vorne gezogen, sodass der Kopf zwischen ihnen zu liegen kommt. Die Hinterextremitäten werden an den Sprunggelenken erfasst, parallel nach hinten gestreckt und die Kniegelenke nach innen rotiert. Dabei müssen sich die Kniescheiben am Röntgenbild zwischen den Rollkämmen ( also in der Mitte des Kniegelenkes ) projizieren.

Achten Sie bitte auch auf die symmetrische Lagerung des Beckens, sodass folgende spiegelbildliche Darstellung erfolgt:

  • Querfortsätze der Lendenwirbelkörper
  • Darmbeinschaufel
  • Foramina obturatoria ( große Löcher am Beckenboden )
  • Sitzbeinhöcker projizieren sich gleich weit in die Oberschenkelknochen

Das Bildformat soll 30×40 cm haben, sodass das gesamte Becken mit dem letzten Lendenwirbel und mit den Oberschenkeln einschließlich der Kniegelenke abgebildet werden kann.

Um ein nachträgliches Umschreiben von Daten auf dem Röntgenbild unmöglich zu machen, werden nur mehr Röntgenbilder mit folgenden eingeblendeten Daten zur Beurteilung angenommen:

  • Name des Hundes
  • Rasse
  • Geschlecht
  • Wurfdatum
  • ÖHZB Nr.
  • Chip-Nummer
  • Datum der Aufnahme
  • Besitzer des Hundes

Das Beiheften von Zetteln oder das Beschriften nach dem Entwickeln wird nicht mehr gestattet.
Die Röntgenuntersuchung darf erst ab dem vollendeten 12. Lebensmonat durchgeführt werden, das sogenannte „Vorröntgen“ ab dem 6. Lebensmonat kann nur als Vorinformation über die HD-Situation betrachtet werden und wird nicht für die Vergabe der Zuchttauglichkeit herangenommen.

Dr. Peter Szabados, FTA für Kleintiere

Von mir betreute Zuchtvereine

Australian Shepherds
Beauceron
Belgische Schäferhunde
Briards
Britische Hütehunde
Eurasier
Nordische Hunde (Alaskan Malamute, Akita, Grönlandhund, Karelischer Bärenhund, Laiki, Samojede, Siberian Husky)
Retriever
Rhodesian Ridgeback
Rottweiler
Bernhardiner (St. Bernhardshund)
Schnauzer-Pinscherklub
West Highland Terrier
Pudelclub Austria
Österreichischer Club der Pudelfreunde
Dobermann

Die Hüftgelenksdysplasie (HD) bei Hunden

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