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Giftanschlag
traf Blindenhund

Sehbehinderte Innsbruckerin
hatte Glück im Unglück: Schäfer Attila ist auf dem Weg der Besserung.

Durch
einen Giftköder verlor eine Innsbrucker Pensionistin beinahe ihren Blindenhund.
Ein Tierarzt rettete Attila vor einem qualvollen Tod.

Teilnahmslos
liegt Attila unter dem Küchentisch. Selbst fremde Besucher können
den Blindenhund kaum aus der Ruhe bringen: „Attila wurde erst am Dienstag
aus der tierärztlichen Pflege entlassen“, erklärt sein blindes
Frauerl Beate Grames: „Er ist noch sehr schwach, kann nur Schonkost fressen,
dürfte aber das Schlimmste überstanden haben.“ Nachsatz: „Ich
wüsste nicht, was ich ohne meinen Atti täte.“

Am Samstag
sah die Welt von Beate Grames noch weit weniger rosig aus: „Am Morgen ließ
ich ihn beim Gassigehen frei laufen, dabei dürfte er den Giftköder
gefressen haben“, vermutet die 63-jährige Pensionistin: „Als
ich gegen 18 Uhr erneut mit dem Hund ins Freie wollte, reagierte er kaum. Ich
spürte, wie er am ganzen Körper zittert.“

Schaum
vorm Maul

Schwester
Edith Weber sah wenig später auch den Schaum, der dem Tier aus dem Maul
lief. „Eine Vergiftung“, schlossen daraus die Geschwister und alarmierten
den Tierarzt.

„Obwohl
er frei hatte und mit seiner Armverletzung eigentlich auf dem Weg in die Klinik
war, hat er sich sofort um Attila gekümmert“, bedankt sich Grames
bei Veterinär Peter Szabados. Seine prompte Hilfe dürfte dem Blindenhund
das Leben gerettet haben.

„Welches
Gift Attila gefressen hat, kann ich nicht sagen“, erklärt Szabados:
„Gift war es aber in jedem Fall.“ Wichtig sei auch gewesen, dass der
Hund die vergiftete Nahrung erbrochen hat. „Sonst wäre er jetzt tot“,
versicherte der Tierarzt.

Attlia
wollte trösten

Wie Edith
Weber betont, besteht zwischen ihrer Schwester und Attila ein besonders inniges
Verhältnis: „Als Beate am Samstag in Tränen ausbrach, kroch der
Hund trotz seiner Schmerzen zu ihr, um sie zu trösten.

Dass ein
Unbekannter Spaß daran hat, mit vergifteten Ködern Tieren derartige
Qualen zu bereiten, übersteigt die Vorstellungskraft der Schwestern: „Man
muss einmal miterleben, wie sich ein Hund vor Schmerzen krümmt.“

Der Tod
von Attila wäre für Beate Grames nicht nur emotional, sondern auch
finanziell eine Katastrophe gewesen: „Ein Blindenhund kostet zwischen 23.000
und 25.000 Euro. Als Pensionistin müsste ich diese Summe selbst finanzieren.“
Für die ehemalige Beamtin ohne fremde Hilfe ein Ding der Unmöglichkeit.

 

Aus
der Tiroler Tageszeitung, vom 4. Sep. 2003

Ein
Herz und eine Seele: Beate Grames mit dem noch immer geschwächten
Attila.